Das Spendensammeln gehört zu den wichtigsten Funktionen der politischen Websites, auf denen man mit Kreditkarte und einem Mausklick auf den Knopf "Donations" zum Parteispender werden kann. Nicht nur die beiden Spitzenkandidaten der Demokraten und Republikaner, Al Gore und George W. Bush, (
www.georgebush.com
) haben deshalb eigene Profi-Teams in ihrer Wahlkampfmannschaft, um den Internet-Auftritt zu optimieren.
In seiner Firma "Campaign Advantage" entwirft Phil Tajitsu Nash mit seiner Frau Emi Ireland Websites für US-Politiker, politische Organisationen und Lobby-Gruppen. Zu seinen Kunden gehören beispielsweise der Präsidentschaftskandidat der Grünen (
www.votenader.com
) und der einflussreiche Demokrat Richard Gephardt, der nach den Wahlen im November den Posten des Parlamentspräsidenten übernehmen wird, falls die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobern sollten. Nash ist nicht der einzige im Online-Politik-Geschäft - in den USA haben sich inzwischen viele neue Internet-Firmen auf den Wahlkampf spezialisiert. Nashs Firma hat offenbar internationales Renommee: Vor einigen Monaten waren einige SPD-Politiker bei ihm, um sich vor Ort zu informieren, kürzlich auch ein paar Politiker der Grünen.
Spender zahlen Online
Nicht nur die Optik ist für den 43-jährigen Ex-Juristen Nash für die Qualität einer Website entscheidend. Der rasche Zugang und die Erreichbarkeit aller "Buttons" auch mit einer älteren Software hält er für genauso wichtig. In Amerika heißt das heute, dass vor allem der Klick auf den Balken zum Online-Spenden einfach und schnell gehen muss.
Wie erfolgreich man auf diesem Gebiet sein kann, haben vor allem der Republikaner John McCain und der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Bill Bradley, im Vorwahlkampf gezeigt. Beide galten als Underdogs. Doch das Internet ermöglichte ihnen, schnell an das Geld ihrer Befürworter zu gelangen: Nach seinem Sieg bei den Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire trommelte McCain auf diese Weise binnen 24 Stunden eine halbe Mio. $ zusammen.
Obwohl McCain das Rennen um die Präsidentschaft längst aufgegeben hat, hat er über das Internet weiter Geld gesammelt (5,2 Mio. $ sind es inzwischen) und wer heute seine Website (
www.mccain2000.com
) anklickt, der findet dort nicht nur den Aufruf, dem Senator zu seinem Geburtstag zu gratulieren, sondern auch die Bitte nach weiteren finanziellen Zuwendungen.
Perfekte Technik für das Online-Schnorren
Die Technik für das Schnorren per Internet ist übrigens erst vor rund drei Jahren entwickelt worden, wie Arun Bose von "PoliticsOnline" erläutert. Seine Firma vertreibt ein Spezialprogramm namens "Online-Fundraiser", das es einem Interessenten ermöglicht, per Kreditkarte direkt an einen politischen Kandidaten zu spenden.
Anders als bei Einkäufen übers Internet geht das Geld auf diese Weise nicht zuerst auf ein Konto der Kreditkartengesellschaft. In den letzten beiden Jahren hat die kleine Firma mit ihren etwa zehn Angestellten rund 200 Politiker-Websites mit dieser Funktion ausgestattet. "Die Kunden mögen es, dass sie für die Installation nicht sofort bezahlen müssen", so Bose. Allerdings knöpft PoliticsOnline den Kunden einen Anteil von acht bis zehn Prozent des Spendenaufkommens ab. Bradley (
www.billbradley.com
), der über das Internet 2 Mio. $ einnahm, hat den Spendenknopf inzwischen von seiner Homepage entfernen lassen. Die wolle er jetzt vor allem nutzen, um seine Ideen vorzustellen und sich mit seinen Anhängern auszutauschen, heißt es da. Tatsächlich nutzen viele Politiker ihre Websites als billiges und direktes Kommunikationsmittel. Wer der Aufforderung folgt, seine E-Mail Adresse anzugeben erhält regelmäßig Post und zwar gezielt zu den vorher elektronisch abgefragten Interessengebieten. Auf dem World Wide Web tummeln sich darüber hinaus noch eine Reihe von Aktivisten untschiedlichster politischer Couleur, die sich mit ihren Websites über Politiker lustig machen oder ungebetene Unterstützung leisten wollen.